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Hochstapler-Syndrom: Wenn deine Leistung zu Selbstzweifeln führt

Hypnose hilft, auch wenn alles andere versagt.

James Braid

Was zuerst ein wenig abstrus klingt, ist gerade unter erfolgreichen Menschen und Führungskräften weit verbreitet. Die Betroffenen haben dabei mehr oder weniger stetig das Gefühl, das ihnen ihre Erfolge nicht zustehen. Sie leisten meist überdurchschnittlich gute Arbeit – glauben dabei aber tatsächlich eher unterdurchschnittlich abzuschneiden. Erfolge werden als Zufall oder Glück wahrgenommen – keinesfalls aber als eigener Verdienst. Dazu gesellt sich die ständige Angst, als Hochstapler enttarnt zu werden. Selbst nach außen besonders erfolgreiche Menschen, wie der Schauspieler Tom Hanks, sind davor nicht sicher. In einem Interview soll er einmal gesagt haben: „Ich habe ständig Angst zu versagen und dass jemand herausfindet, dass ich nichts kann.“ Solche Aussagen sind typisch für Menschen mit Hochstapler-Syndrom.

Persönlichkeitsmerkmal statt Störung: Was ist das Hochstapler-Syndrom? 

Dabei ist der Name Hochstapler-Syndrom eigentlich ein wenig irreführend. Denn während die Betroffenen denken, sie seien Betrüger und ihre Leistungen selbst als unzureichend betrachten, ist dies oft weit von der Realität entfernt. Tatsächlich sind es nur ihre Selbstzweifel, die diese Gefühle auslösen. In der Praxis allerdings, ist ihr Tun oftmals herausragend. Dabei kommt das Impostor Syndrome (wie es im Englischen genannt wird) in ganz verschiedenen Ausprägungen vor: Von relativ selten und nur in bestimmten Situationen, bis hin zu dem regelmäßigen Gefühl ein Hochstapler zu sein.

Bestimmte Umstände, wie Leistungsdruck und ständige Kritik in der Kindheit oder ein sehr hohes Sicherheitsbedürfnis des Einzelnen können die Entwicklung des Impostor Phänomens begünstigen. Wichtig zu unterscheiden ist, dass es keine psychische Störung, sondern ein Selbstkonstrukt ist. Das Hochstapler-Syndrom ist also ein bestimmtes Bild, das die Betroffenen von sich selbst im Kopf haben.

Wer ist betroffen?

In der Regel entwickeln besonders leistungsorientierte Menschen das Hochstapler-Syndrom. Es ist dabei auffallend stark bei Menschen mit akademischem Hintergrund und Führungskräften zu beobachten. Auch ist es in erfolgsorientierten Kulturen stärker vertreten, als in Kulturen, in denen Leistung und Erfolg eher eine untergeordnete Rolle spielen.

Während „normal“ unsichere Menschen mit ihren Erfolgen wachsen und beginnen an ihre eigene Selbstwirksamkeit zu glauben, sobald sie eine Aufgabe bewältigt haben, steigt für Menschen mit Hochstapler-Syndrom der Druck mit jedem Erfolg erst richtig an. Für sie steigt mit jedem Lob, jedem Erfolg und jedem Durchbruch die Messlatte und damit auch die Angst zu versagen und als Hochstapler aufzufliegen.

Perfektionismus, Prokrastination und Burnout

Die Angst davor, nicht gut genug zu sein und Fehler zu machen, führt bei vielen Menschen mit Impostor Phänomen dazu, dass sie entweder extrem perfektionistisch vorgehen oder Aufgaben vor sich herschieben. Außerdem sind Menschen mit Hochstapler-Syndrom eher gefährdet an Burnout zu erkranken. Für die Betroffenen äußert sich das Hochstapler-Syndrom in diesen drei Merkmalen:

  • Sie neigen dazu, die Ursachen ihrer Erfolge auf Faktoren außerhalb ihrer Person zu beziehen und negieren dabei Tatsachen, die das Gegenteil beweisen.
  • Sie sind oft davon überzeugt, andere Menschen über ihre Fähigkeiten getäuscht zu haben und/ oder von ihrer Außenwelt überschätzt zu werden.
  • Sie haben Angst, durch ihr Umfeld als Betrüger enttarnt zu werden und an ihren Aufgaben zu scheitern.

Das hilft beim Hochstapler-Syndrom

Solltest du dich im Hochstapler-Syndrom wiedererkennen, kannst du mit ein paar einfachen Schritten diesen Gefühlen entgegenwirken. Zuerst ist wichtig, dass du dich und deine Gefühle akzeptierst. Das Hochstapler-Syndrom entsteht aus Einflüssen außerhalb von dir und ist daher kein Grund sich zu schämen. Es lebt davon, dass du versuchst es zu vertuschen und deine Gefühle geheim hältst. Auch wirkt es ungemein befreiend, wenn du es bei vertrauten Menschen offen ansprichst. Außerdem wirst du so meist feststellen, dass sich andere Menschen ähnlich fühlen.

Erkenne außerdem aktiv deine großen und kleinen Erfolge an. Ein Erfolgstagebuch, in dem du täglich notierst, was du erreicht hast, ist ein guter Weg deinem Gefühl – nicht gut genug zu sein – entgegenzuwirken. Schlussendlich ist es hilfreich, dich bei der Bewältigung vom Hochstapler-Syndrom professionell coachen zu lassen und dabei destruktive Gewohnheiten, Muster und Glaubenssätze aufzulösen.

 

 


Quellen:

A. Dilk (2019): Führungskräfte mit Hochstapler-Syndrom. Das habe ich nicht verdient! ManagerSeminare. Heft 250. S. 56-63.

S. Magnet (2018): Und was, wenn alle merken, dass ich gar nichts kann? Über die Angst, nicht gut genug zu sein. Das Impostor-Phänomen. MVG Verlag, ISBN-13: 978-3868828498

D. M. Bravata, S. A. Watts, A. L. Keefer et al. (2019): Prevalence, Predictors, and Treatment of Impostor Syndrome: a Systematic Review. Journal of General Internal Medicine. Online verfügbar unter https://doi.org/10.1007/s11606-019-05364-1

Bildnachweis: Adobe Stock. 

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