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  Neuronale Veränderungen im Gehirn unter Hypnose

Hypnose hilft, auch wenn alles andere versagt.

James Braid

Viele Ärzte und Neurowissenschaftler betrachten Hypnose als ein mächtiges Werkzeug, um psychische oder psychosomatische Beschwerden zu beeinflussen. Hypnose kann beispielsweise Menschen mit einer Angststörung helfen und selbst starke Schmerzen lindern. Selbstverständlich profitieren nicht nur Kranke von der wirksamen Methode, denn Hypnose wird zunehmend von gesunden Menschen in Anspruch genommen, die ihr Leben vereinfachen oder verbessern möchten. Es gelingt weit mehr als eine Raucherentwöhnung oder die Gewichtsreduktion. Hypnose sorgt nachts für einen erholsamen Schlaf, steigert die Leistungsfähigkeit und kann zudem dabei helfen das Lampenfieber oder den Liebeskummer zu überwinden. Warum ist das möglich? Welche neuronalen Veränderungen zeigen sich im Gehirn unter Hypnose?

Stanford Studie

Eine Studie der Stanford University zeigt auf, welche Gehirnregionen durch Hypnose am stärksten verändert werden. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Zeitschrift Cerebral Cortex veröffentlicht.

Versuchsaufbau

Die Studie wurde mit 545 Probanden durchgeführt, die man zuerst auf ihre Fähigkeit hin untersuchte, wie tief sie in Trance gehen können. Auf diese Weise konnten sie 36 Personen mit hohen Werten zur Hypnotisierbarkeit identifizieren, die alle für die Teilnahme an der Studie ausgewählt wurden. Zusätzlich gab es eine Kontrollgruppe mit sehr niedrigen Werten.

Um Aufnahmen vom Gehirn der Probanden zu erhalten, unterzogen sich diese einer Magnetresonanztomographie (MRT). Die Forscher scannten das Gehirn jedes Teilnehmers vier Mal unter diesen Bedingungen:

  1. Im Ruhezustand
  2. Während dem Abrufen einer Erinnerung
  3. 2x unter Hypnose. Dabei bekamen die Probanden eine Sprachaufzeichnung zu hören, die speziell dafür entwickelt wurde, die Zuhörer in Trance zu versetzen.

Ergebnis

Die erste messbare Veränderung passiert zwischen dem präfrontalen Cortex und dem sogenannten Default Mode Netzwerk (DMN). Das Default Mode Netzwerk ist weitgehend für ein Gefühl des Selbstbewusstseins und des episodischen Gedächtnisses verantwortlich, während der präfrontale Cortex die Kognition kontrolliert. Die Trennung dieser beiden Netzwerke scheint zu erklären, wie Hypnose es Menschen ermöglicht, bewusst und handlungsfähig zu bleiben, ohne die Fähigkeit zu behalten, über ihre Beteiligung an diesen Aktionen nachzudenken. (1)

Das zweite Ergebnis ist eine erhöhte Aktivität der Verbindung zwischen dem dorsolateralen präfrontalen Cortex (DLPFC) und einer Hirnregion namens Insula (auch genannt Inselrinde), die mit Schmerzverarbeitung, Emotion, Empathie und Zeitgefühl verbunden ist. Dies, sagen die Forscher, könnte erklären, wie Hypnose es Menschen ermöglicht, selbst starke Schmerzen zu überwinden.

Schließlich stellt das Team einen Rückgang der Aktivität in einer Hirnregion fest, die als dorsaler anteriorer cingulärer Cortex (dACC) bezeichnet wird, der Teil des Salienz-Netzwerks ist. Dieser ist an der “Kontextbewertung” beteiligt. Die Kontextbewertung hilft uns zu entscheiden, worauf wir uns konzentrieren und was wir ignorieren wollen. Dieser Befund steht im Einklang mit Hypnotisanden, die oft unterbewusst bestimmte Elemente ihrer Umgebung wahrnehmen.

Fazit

Zusammenfassend erklärt das Forscherteam, dass während der Hypnose keine Hirnareale tatsächlich abgeschaltet werden. Stattdessen wird ihre Konnektivität lediglich verändert, wobei einige getrennt und andere integriert werden. Sie erklären, dass ihre Forschung “die Idee der Hypnose als einen anderen Bewusstseinszustand und nicht als einen reduzierten Grad der Erregung verstärkt”. (2)

Diese Erkenntnisse bedeuten einen großen Fortschritt im Verständnis von Hypnose. Es ist nicht auszuschließen, dass Hypnose in Zukunft für Schmerzpatienten eine Alternative zu Medikamenten darstellen kann. Um dieses Ziel zu erreichen, ist allerdings noch sehr viel mehr Forschung auf diesem Gebiet notwendig.

 


Quellen:

(1) Heidi Jiang, Matthew P. White, Michael D. Greicius,  Lynn C. Waelde, David Spiegel (2017): Brain Activity and Functional Connectivity Associated with Hypnosis. Cerebral Cortex, Volume 27, Issue 8, Pages 4083-4093. 

(2) Sarah C. P. Williams (2016): Study identifies brain areas altered during hypnotic trances. Stanfort Medicine. Online verfügbar unter https://med.stanford.edu/news/all-news/2016/07/study-identifies-brain-areas-altered-during-hypnotic-trances.html

 

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